Auszüge aus unserem Protokollbuch:

Fusswallfahrt zum Apostelgrab des hl. Matthias nach Trier vom 15. bis 23. Mai des Kriegsjahres 1942

Nachdem durch die Unruhe der Zeit die Wallfahrt nach Trier zwei Jahre ausgefallen ist, nahmen beherzte junge Menschen sich vor, trotz der Mühsalen, in diesem Jahre wieder eine Wallfahrt nach Trier zu machen, um durch diesen Bussweg das Strafgericht Gottes, welches über die Menschheit gekommen war, zu mildern. Mit dem Herrn Kaplan Lindt wurde im engsten Kreise über die Wallfahrt beraten, da es der Bruderschaft verboten war, Wallfahrten durchzuführen. Wie in früheren Jahren musste das Gepäck selbst getragen werden, da es glänzlich ausgeschlossen war, dass ein Wagen die Prozession begleitete. In der Nacht zum 15. Mai -1,30 Uhr wurde am St. Matthiasaltar der Pfarrkirche ganz still die hl. Messe gefeiert. Ohne Glockengeläute und ohne dass Verwandte und Bekannte die Pilger aus dem Ort bis zum Matthias- kapellchen, wie es früher so üblich war, begleiteten, trafen sich alle heimlich gegen 2,30 Uhr ausserhalb Rheindahlen, um nur ja kein Aufsehen zu erregen, denn der Nationalsozialismus durfte einfach von dieser Wallfahrt nicht wissen. Wie in Urväterzeiten wurden die gleichen Wege gegangen, am ersten Tag bis Stockheim. Der zweite Tag führte uns schon in die Eifelberge. Recht beschwerlich waren manchmal die Wege und das ungewohnte Gepäck auf dem Rücken machte uns den Weg oft sauer. Ein Ochsengespann nahm die Pilger erstmalig auf, um sie ein Stück mitzunehmen. Mühsam abends spät war Schmidtheim erreicht. Ein unfreundlicher Pfarrer in Schmidtheim gestattete es nicht, dass wir morgens früh die hl. Messe feierten und mussten zu dem zwei Stunden entfernten Ort Esch, um das Opfer Gott dem Herrn darzubringen. Von dort ging es durch Feld und wald nach Lissendorf und der von jeher begangene Weg nahm uns wieder auf. An dem Tage wurde Neidenbach erreicht. Herzlicher Empfang am nächsten Morgen auf Pützhöhe und mittags in Meilbrück.Die guten Eiflerleute, die sich mit uns freuten, dass es wieder gewagt wurde, trotz Nationalsozialismus, nach Trier zu pilgern, warnten uns, in Trier vorsichtig zu sein und nach Möglichkeit nicht zu Fuss, sondern auf irgendeine Weise hereinzufahren. Dazu benutzten wir von Meilbrück aus den Autobus und fuhren bis in Trier hinein. Getrennt gingen dann alle zur Basilika. Aber trotz alles Vorsicht wurden die Pilger mit offenen Armen von der Gestapo empfangen. Die ganze heimliche Vorbereitung, das Davonschleichen aus Rheindahlen war doch bemerkt worden und man hatte nichts eiligeres zu tun, um es der Gestapo in Trier zu melden. Herr Kaplan Lindt und die beiden Männer Hütten und Fabry mussten mit. Die Namen der Mädchen und Frauen wurden aufgeschrieben. Nach einer Abwesenheit von ca. 2 Stunden ( Verhör) wurden die drei wieder freigelassen mit der Bestrafung, dass alle die mitgekommen sind, zu Fuss zurückgehen müssen. Ausserdem musste Herr Hütten sein Instrument ( Trompete ) einpacken. Nach einem Tag der Ruhe und der Vortragung aller unserer und der uns aufgetragenen Anliegen am Apostelgrab ging es am nächsten Morgen wieder zurück zur Heimat. Die Rückkehr durch die Eifel nahm ruhig ihren Verlauf. Sammstags vor Pfingsten zur gewohnten Stunde trafen alle wohlbehalten wieder in der Heimatkirche Rheindaheln ein und die erste Wallfahrt im Kriege, verbunden mit sehr vielen Strapazen, nöten udn Sorgen, war glücklich beendet.